SFB 1369 Vigilanzkulturen
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The Double Bond of Lovers: Social and spiritual regimes of dervishes in Istanbul during the long nineteenth century

teilbereich_198x149px_b05Teilprojekt B05

Projektleitung

Prof. Dr. Christoph K. Neumann

Mitarbeiterin

Dr. Eda Güçlü

Projektbeschreibung

Im 19. Jahrhundert war die Mehrheit der männlichen muslimischen Einwohner Istanbuls als Sufis mit mindestens einem mystischen Orden verbunden. Ihre spirituelle Suche verstand sich als eine der Liebe (ʽaşḳ), zunächst der zu Gott, dann weiter zum spirituellen Meister und den anderen Schülern. Das Teilprojekt untersucht das doppelte Band zwischen Adepten und ihrem Orden, das sich als Kontrollmechanismen im städtischen Raum manifestierte: Die Orden forderten von ihren Angehörigen gewisse Verhaltensweisen und Praktiken, die zum einen sozial durchgesetzt wurden, zum anderen durch die spirituelle Beziehung zwischen Meister und Jünger verstärkt und legitimiert wurden. Praktiken der Sufis bezogen sich auf Kontrolle des Selbst und schufen distinkte Formen der Vigilanz.
So spielten Doktrinen, Regeln und Praktiken der mystischen Orden eine große Rolle für die moralischen und verhaltenssteuernden Konventionen der muslimischen Stadtbevölkerung. Gleichzeitig waren die Sufis den Regeln sowohl der entstehenden modernen Öffentlichkeit als auch denen des göttlichen Geheimnisses unterworfen, in das jeder von ihnen initiiert wurde. Das Teilprojekt konzentriert sich auf drei für die osmanische Hauptstadt besonders wichtige Orden: Die Naḳşbendīye, Mevlevīye und Ḫalvetīye.
Dabei untersucht das Teilprojekt die moralische und spirituelle Vigilanz in Verbindung mit vier Feldern:

  1. sufische Subjektivität in Ego-Narrativen,
  2. Rituale und Praktiken spiritueller Vigilanz, 
  3. Netzwerke der Sufis im urbanen Raum und
  4. die entstehende Sphäre moderner Öffentlichkeit und die Bürokratisierung islamischer Mystik.