SFB 1369 Vigilanzkulturen
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Publikationen

Neuerscheinungen

Gadebusch Bondio, Mariacarla/Hengerer, Mark/Kölbel, Ralf/Lepsius, Susanne (Hrsg.): Techniken der Responsibilisierung. Historische und gegenwartsbezogene Studien. Hannover 2023

https://epub.ub.uni-muenchen.de/93703/

Kleine Reihe 2 Cover kleinResponsibilisierung ist in den Kulturwissenschaften ein wiederkehrender Begriff, der verschiedene Formen der Verantwortungsverschiebung umschreibt. Ausgehend von diesem variablen Sprachgebrauch untersuchen die in diesem Band vorgelegten Beiträge mannigfaltige Kontexte in denen, sowie Medien und Techniken mit denen Akteure bzw. Instanzen Aufmerksamkeitserwartungen für bestimmte Wachsamkeitsaufgaben übertragen. Während Obrigkeiten und Amtspersonen sich an die Bevölkerung bzw. an niederrangige Bedienstete richten, sind es einzelne Personen – z.B. frühneuzeitliche Stadtärzte oder gegenwärtige Whistleblower –, die von den oberen Instanzen in die Pflicht genommen werden (oder diese in die Pflicht nehmen). Dabei lassen sich verschiedene Strategien und Instrumente, etwa Anreize oder Sanktionen, ebenso wie die Abhängigkeit von der Dringlichkeit des Responsibilisierungsbedarfs aufzeigen.
Indem insbesondere Adressierung und Übertragung von Vigilanz-Aufgaben an sehr unterschiedliche Personen bzw. Personengruppen synchron und diachron untersucht werden, konturieren und schärfen die Beiträge den Begriff der Responsibilisierung historisch und situativ.

Harju, Bärbel: Vigilanz, Privatheit und Whiteness in Suburbia. Hannover 2023.

https://epub.ub.uni-muenchen.de/93605/

Kleine Reihe 1 Cover kleinIn den 1950er Jahren zogen junge amerikanische Paare und Familien in massenproduzierte Vororte – und läuteten damit die umfassende Suburbanisierung der USA ein. Doch die Suche nach privaten Rückzugsorten endete für die meisten in einem komplexen Beobachtungsgefüge, das die Grenzen zwischen „privat“ und „öffentlich“ instabil erscheinen ließ. Großzügige Panoramafenster ermöglichten nicht nur Ausblicke, sondern auch Einblicke; weitläufige Sichtachsen luden zur gegenseitigen Beobachtung ein; durch soziale Kontrolle wurde Konformität hergestellt, während abweichendes Verhalten als verdächtig galt. So konsolidierten die Vororte eine ,weiß‘ codierte Mittelklasseidentität, die durch Vigilanztechniken kontrolliert wurde. In ihrer Studie untersucht Bärbel Harju, wie sich das angespannte Verhältnis von Privatheit und Sichtbarkeit in den USA der 1950er Jahre in Architektur und Design ausdrückt und inwiefern Vorstellungen von Privatheit mit der Idee von Whiteness korrelieren. Am Beispiel der Familie Myers, die 1957 als erste afroamerikanische Familie nach Levittown zog, werden in einer Fallstudie die Rolle von Selbst- und Fremdbeobachtung in neu entstehenden amerikanischen Vorstädten aufgezeigt.