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Agnes Casadevall Ferrer: Die Wächterstimme im Hohenfurter Liederbuch. Berlin/Boston 2026.
DOI: https://doi.org/10.1515/9783112215708
Mit unikal überlieferten Liedern mit jeweils notierten Melodien ist das Hohenfurter Liederbuch ein Sonderfall der spätmittelhochdeutschen Liederbuchlyrik, der bisher randständig untersucht wurde. Die vorliegende Studie fragt nach der Zusammenstellung der Lieder und versucht eine Neuinterpretation der Wächterfigur im geistlichen Lied. Im ersten Teil werden Aufbau, Aufmachung und Hintergründe der anonym überlieferten Handschrift beschrieben. Der Heterogenität im Liedteil des Hohenfurter Liederbuchs, welcher neben geistlichen Tageliedern auch Weihnachts-, Oster- und ein Krautgartenlied enthält, wird der Blick auf die Rubriken über den ‚grossen sünder‘ als roter Faden gegenübergestellt. Im zweiten Schritt interpretiert die Studie fünf Lieder mit dem Fokus auf das Bekehrungsgeschehen um den ‚grossen sünder‘. Zentral ist dabei eine Wächter- und Wecksemantik, die u.a. aus Kontexten des weltlichen Tagelieds und der christlichen Hymnentradition zehrt. Die Liedinterpretationen decken dabei schrittweise die unterschiedlichen Dimensionen dieser Semantik auf. Insgesamt liefert die Studie entscheidende Erkenntnisse zur Kultivierung von Wachsamkeit, wie sie das hier im Zentrum stehende Liederbuch für das Spätmittelalter bezeugt.
Julia Burkhardt/John Hinderer/Tamara Klarić/Iryna Klymenko (Hrsg.):
Wachsame Gemeinschaft. Ein Quellenreader zur Bursfelder Kongregation und ihren Klöstern vom 15. bis ins 17. Jahrhundert. Hannover 2026.
Welchen Speisegeboten folgten Mönche und Nonnen in der Vormoderne? Wie wurde deviantes Verhalten im Kloster bestraft? Und wie wurden unaufmerksame Mönche und Nonnen diszipliniert? Ausgehend von diesen und weiteren Fragen nimmt der Quellenreader die vielfältigen Dimensionen von Wachsamkeit am Beispiel der Bursfelder Kongregation in den Blick. Hierfür versammelt er ausgewählte Dokumente aus dem Zeitraum zwischen 1458 und 1607, um den unterschiedlichen Ausformungen, Funktionen und Zielrichtungen von Wachsamkeit im Kloster nachzuspüren. Dabei verstehen die Beiträge die Entwicklung der Kongregation nicht als lineare Ereignisabfolge, sondern als Geflecht historischer, organisatorischer und religiöser Transformationen. So entsteht ein Panorama, das neue Einblicke in die Bursfelder Kongregation als eine „wachsame Gemeinschaft“ eröffnet.