SFB 1369 Vigilanzkulturen
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Leonid Malec

Stipendiat

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Sonderforschungsbereich 'Vigilanzkulturen'
LMU München
Geschwister-Scholl-Platz 1
80539 München


Website: https://www.gw.uni-hamburg.de/studium/graduiertenschule/interkonfessionalitaet/doktorandinnen.html#17992712#17992712

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Promotionsprojekt: Überkonfessionelle und konfessionsspezifische Aneignungen von Uhr und Uhrzeit in der Frömmigkeit des 16. bis 18. Jahrhunderts

Uhr und Uhrzeit nehmen bis weit in das 18. Jahrhundert hinein eine herausragende Stellung in der frühneuzeitlichen Frömmigkeit ein. Um die vielfältigen religiösen und sakralen Potentiale dieses mechanischen Zeitmessers zu untersuchen, richtet das Promotionsprojekt sein Augenmerk auf ein breites Spektrum von Medien und Objekten, die zum Ziel hatten, Uhr und Uhrzeit für die private Andacht und Frömmigkeit nutzbar zu machen: So regten zahlreiche Uhren als Bild- und Inschriftenträger oder Wiedergabegeräte von einfachen Melodien in den BetrachterInnen Imaginationen an, die für Praktiken der Andacht produktiv sein konnten. Uhren wurden aber auch als Motive prominent in Gemälden und Grafiken mit heilsgeschichtlichen Sujets und Visionsdarstellungen platziert, die Uhr und ihr Klang somit im Kontext der menschlichen Gotteserfahrung verortet. Schließlich erhob die Gattung der Uhrandacht die Uhr und ihre Stunden explizit zum Taktgeber und Förderer einer möglichst produktiven, immerwährenden Andacht (z.B. der Passion Christi).

Solche und vergleichbare Medien und Objekte finden sich bereits im 14. Jahrhundert – die mit Uhr und Uhrzeit einhergehenden Praktiken sind somit vorkonfessionell. Ihre weiteste Verbreitung erlebten sie allerdings erst im 17. Jahrhundert im Rahmen der Etablierung eines mechanistischen Weltbildes und einer verstärkten Rückbesinnung auf hoch- und spätmittelalterliche Frömmigkeitspraktiken. Anhand der in dieser Blütezeit geschaffenen Medien und Objekte lassen sich rege Aushandlungsprozesse zwischen AutorInnen und KünstlerInnen verschiedener Konfessionen nachzeichnen, was Ziel der Arbeit ist. Im Vordergrund der Untersuchung stehen dabei Medien und Objekte, die, so die Hauptthese, manchmal konfessionsspezifisch, in der Regel aber überkonfessionell konditionierten, was Menschen wahrnahmen und woran sie dachten, wenn die Uhr ihre Stunden schlug. Anhand zahlreicher Beispiele kann dabei belegt werden, dass Zeit im 17. Jahrhundert nicht wie im Fall des Kalenders nur ein Streitthema zwischen den Konfessionen war, sondern dass im Bereich der alltäglichen Frömmigkeit auch gemeinsame überkonfessionelle Interessen an ihr und ihrer produktiven Nutzung in der Andacht Abgrenzungsdiskurse und Polemik überwinden konnten.