Wachen und Erinnern in religiösen Gemeinschaften der Vormoderne (1300 – 1700)
Tagung des Teilprojekts A07
26.03.2026 – 27.01.2026
Die Tagung nimmt das Zusammenspiel von Wachen und Erinnern in religiösen Gemeinschaften in den Blick. Sie ist
eingebettet in das Forschungsprogramm des SFB 1369 „Vigilanzkulturen“, der die Kopplung von individueller
Wachsamkeit mit überindividuellen Zielen interdisziplinär und transepochal untersucht. Darin wird Wachsamkeit als
eine spontane, situative Reaktion auf Gefahren verstanden, außerdem als kulturell geformt, historisch variabel
und potenziell nachweisbar in spezifi schen sozialen, materiellen und epistemischen Kontexten. In religiösen
Gemeinschaften der Vormoderne spielte Wachsamkeit eine zentrale Rolle, zum Beispiel in der Introspektion als
Kontrolle des eigenen Geistes und der gegenseitigen Beobachtung innerhalb der Gemeinschaft zum Zweck
der Kontrolle und Disziplinierung. Wachsamkeit umfasst dabei unterschiedliche Praktiken des Wachens, etwa
Er-Wachen, Be Wachen oder Über-Wachen. Erinnern bezeichnet das Bewahren, Rekonstruieren und Deuten
von Vergangenem. In religiösen Gemeinschaften umfasste es u.a. Rituale wie das Totengedenken oder
die Kodifikation gemeinschaftlicher Erfahrungen. Die Verbindung von Wachen und Erinnern verweist auf
grundlegende Mechanismen der Identitätsbildung, Traditionspflege und sozialen Kohäsion, die für
Gemeinschaften unterschiedlicher Religionen und Konfessionen von Bedeutung waren. Denn diese Praktiken
vermittelten zwischen individueller Frömmigkeit und kollektiver Gedächtniskultur. Wachen und Erinnern
ergänzten sich dabei und trugen sowohl in körperlicher als auch in geistiger Hinsicht zum Gemeinschaftsleben
bei; ihrer wechselseitigen Verbindung wurde bislang jedoch noch wenig Bedeutung beigemessen. Bei der
Tagung gilt unsere Aufmerksamkeit den spezifi schen Ausdrucksformen und Funktionen des Wachens und
Erinnerns in verschiedenen religiösen Traditionen und ihrem Einfluss auf soziale und kulturelle Strukturen. Durch
die interdisziplinäre Auseinandersetzung mit dem Thema möchten wir neue Perspektiven auf die Verbindung von
Wachen und Erinnern entwickeln und diskutieren.
Termin
Donnerstag, 26. März 2026
Freitag, 27. März 2026
Ort
Schloss Fürstenried
Forst-Kasten-Allee 103
81475 München
Kontakt
John Hinderer John.Hinderer@lmu.de
Tamara Klarić Tamara.Klaric@lrz.uni-muenchen.de
Downloads
- Wachen und Erinnern Flyer (216 KByte)