SFB 1369 Vigilanzkulturen
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Vigilanz und Verzicht. Konflikte um das Fasten im Russland und Polen-Litauen der Vormoderne

teilbereich_198x149px_c05Teilprojekt C06

Projektleitung

Prof. Dr. Julia Herzberg

Mitarbeiterin

Dr. Iryna Klymenko

Projektbeschreibung

Das Teilprojekt untersucht Fasten und freiwilligen Nahrungsverzicht als Praxis und zugleich als Objekt politischer, medizinischer und religiöser Auseinandersetzungen in zwei Arbeitsbereichen zu Russland und zu Polen-Litauen der Vormoderne. Der gemeinsame Untersuchungsgegenstand der beiden Arbeitsbereiche ist zweierlei verortet: zum einen als Resultat individueller Entscheidungen, bestimmte Essenspraktiken zu übernehmen, zu pflegen oder zu verwerfen. Der Nahrungsverzicht setzt somit die (Selbst-)Beobachtung einzelner Akteure und Gruppen voraus, die sich zu einer bestimmten Form der essensbezogenen Wachsamkeit und einer entsprechenden Selbstthematisierung entschließen. Zum anderen werden diese Entscheidungen als Ergebnisse gesellschaftlicher und kultureller Konstellationen verstanden, die durch die heterogene und konfliktreiche Verflechtung unterschiedlicher Normierungsversuche seitens der Politik, Medizin und Religion entstehen. Zu fragen ist, mit welchen Techniken weltliche und geistliche Obrigkeit, medizinische Experten und einzelne Akteure versuchten, die Aufmerksamkeit für bestimmte Ernährungsformen zu aktivieren und in den Dienst übergeordneter Ziele wie Heil, Gesundheit oder Ausbildung religiöser, ethnischer und imperialer Identitäten zu stellen. Ziel ist, die Praktiken von Ernährung bzw. Nichtessen als konstitutives Element in politischen und gesellschaftlichen Aushandlungen in der Forschung zu verankern. Das Teilprojekt bezieht sich auf multireligiöse und multiethnische Gebiete, weshalb Fragen nach den identitätsproduktiven Funktionen des Verzichts, also nach Abgrenzung, Inklusion, Verflechtung sowie der Durchlässigkeit von Regulierungsgrenzen im Mittelpunkt stehen.