SFB 1369 Vigilanzkulturen
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Spiegelspiele: Theater und ,Politique' im frühneuzeitlichen England

teilbereich_198x149px_c04Teilprojekt C04

Projektleitung

Prof. Dr. Tobias Döring

Mitarbeiterin

Valentina Sophia Finger

Projektbeschreibung

Unser Teilprojekt fragt nach den Techniken von Aufmerksamkeitslenkung oder -schärfung, wie sie im frühneuzeitlichen Playhouse sowohl zum Einsatz als auch zur Darstellung und kulturellen Reflexion gelangen. Dies geschieht, so unsere Ausgangsthese, immer dann, wenn Spiegel mit ins Spiel kommen. Ob als Medien, Requisiten oder Tropen, Spiegel sind Hilfsmittel und zentrale Sinnfiguren fürs Theater wie auch Instrumente für soziale Praktiken der Selbst- und Fremdbeobachtung, Normkontrolle sowie Überwachung. In ihnen fokussiert sich das Versprechen wie das Problem wechselseitiger Beobachtbar- und Sichtbarkeit, wenn sie als konkretes Requisit – wie in Shakespeares Richard II und Macbeth – oder auch rein diskursiv als Redefigur – wie in Hamlet – genutzt werden. Aufschluss über die politische Indienstnahme von Spiegeln bieten Modellgeschichten, die sie durch Phantasmen von Allmacht, Allübersicht und Allwissen an Herrscherfiguren knüpfen und damit zugleich auf Praktiken von Magie und Okkultismus zurückgreifen. Indem das Theater solche Spiegel-Medien und -Geschichten nicht nur vorführt, sondern zum Modell der eignen Wirkungsmacht erhebt, reklamiert es auch das Charisma sakraler Machtinstanzen, mit denen es Nachahmungs-, Rivalitäts- und Allianzverhältnisse eingeht.